dima
  • Vom Wasser, vom Menschen

    Zwei besondere Personen, Künstler unterschiedlichen Charakters, in verschiedenen Kulturen groß geworden, überbrücken durch die Wahl ihrer Profession Distanzen und Differenzen: LaFe aus Südost-Asien und Endre Penovac aus Südosteuropa. Sie eint ihre Affinität und Liebe zur Aquarell-Kunst, der Königin aller Maltechniken. An dieser Stelle hat sich die Leitidee der Gemeinschaftsausstellung herauskristallisiert, die diese zwei dazu bewegte, sich mit dem Thema Wasser und dem Spiel des Menschen mit ihr auseinanderzusetzen – keinesfalls zufällig oder unbegründet. Nichtsdestotrotz war es herausfordernd, die auffälligen Effekte des Lichtspiels mit jenen der Transparenz und undurchdringlichen Dichte des Wassers zu verbinden. Versteckte sich dahinter nicht eine Kontroverse?Hinter dem Künstlernamen LaFe (spanisch: Glaube) steckt Sattha Homsawat, der mit seiner Aquarell-Kunst eine künstlerische Disziplin repräsentiert, die in seinem Heimatland Thailand relativ jung ist. In seinem Zugang, genauer gesagt bei seiner Wahl der Thematik, Arbeitsweise und des Werkzeugs, spiegelt sich der Einfluss des Westens wieder. Bis zum 19. Jahrhundert beschränkte sich die thailändische Malerei nämlich ausschließlich auf akzentuierte Zeichnungen religiösen Charakters im Rahmen des Buddhismus, die in Palästen und Klöstern bzw. handgefertigten Büchern zu finden waren. Das impliziert, dass LaFes Auffassung der Aquarell-Malerei (obwohl für uns geläufig) in seiner Heimat eine Besonderheit darstellt, da sie auf keine langjährige Tradition zurückblickt. Genauer gesagt genießt die Aquarell-Kunst erst seit Mitte des 20. Jahrhunderts bzw. dem Beginn des 21. Jahrhunderts große Popularität in Thailand und hat seitdem zahlreiche Nachahmer gefunden. Der akademisch gebildete LaFe zählt zu den Meistern seines Handwerks und reiht sich ein in die Liste der weltbesten Aquarellisten. Es war für ihn keineswegs einfach, mit den jahrhundertealten Traditionen zu brechen. Nichtsdestotrotz gehört LaFe zu jener Generation, die sich auf die Macht der Imagination besonnte und Aquarelle ohne vorliegende Zeichnungen erstellte. Er verließ den allseits bekannten Pfad der graphischen Darstellung und schuf mit bunten Farben realitätsnahe Formen zu diversen Thematiken, mit denen er sich befasste. Das Spiel mit der Helligkeit ist sein Steckenpferd, das auf einer wässrigen Unterlage seine volle Wirkkraft entfaltet. Die Reflexion der Schatten, die seine Motive (z.B. kindliche Körper und ihre Wasserspielplätze) werfen, könnte durchaus als ein Nebenschauplatz gesehen werden, der LaFe die Chance bietet, mit der Dichte der Pigmente zu spielen. Endre Penovac, einer der besten Aquarell-Künstler Serbien, ist bekannt für seine intime und zugleich präzise Beobachtung seines persönlichen Umfelds, das sich großteils auf das Leben nahe dem Element Erde befindet. Seine Werke entstehen auf nass getränkten Blättern und geben Farben die Möglichkeit, sich – bis zu einem gewissen Grad – frei zu entfalten. Seine Bilder laden den Betrachter ein, inne zu halten und sie auf sich wirken zu lassen. Zeitgleich fordern sie ihn heraus, gegen seine unsichtbare Macht anzukämpfen. Charakteristisch für Penovacs Aquarelle ist, dass weitläufige, mit breiten und sicheren Zügen aufgetragene Farbflächen, als abstrakte Sequenzen präsent sind, während kleine Körper oder Köpfe nicht mehr als Akzente eines beiläufigen Lebens darstellen. Eines Lebens bzw. Bewusstseins, das einer unsichtbaren, noch immer unbegreiflichen Größe des Wassers ausgeliefert ist bzw. versucht, ihr Widerstand zu leisten. Gerade in dieser Semantik, die einen psychologischen Moment herbeischwört liegt eine Gemeinsamkeit dieser zwei Meister ihrer Disziplin sowie ihre zwischenmenschliche Verbundenheit